Toskana: kleine läden sterben – tourismus triumphiert!

Ein jähes Ende für die traditionellen Geschäfte in Italiens Städten? Eine neue Studie von Confcommercio zeichnet ein düsteres Bild: Fast 156.000 kleine Läden und Straßenhändler sind seit 2012 verschwunden, und der Trend setzt sich bis 2025 fort. Das ist mehr als ein Viertel der bisherigen Einzelhandelslandschaft – ein Verlust, der die Lebensqualität vieler Stadtteile dramatisch verändert.

Die folgen für das gesicht unserer städte

Besonders hart trifft es das Norditalien, wo ganze Straßen, einst belebt von kleinen Geschäften, nun von leeren Ladenflächen geprägt sind. Der Rückgang beschleunigt sich: Im Jahresverlauf werden bis 2025 schätzungsweise 3,1% der Geschäfte schließen, gegenüber 2,2% in den Vorjahren. Besonders betroffen sind Zeitungsstände, die fast die Hälfte ihrer Geschäfte verloren haben, gefolgt von Bekleidungs- und Schuhgeschäften, die fast zwei von fünf Filialen aufgeben mussten. Auch Möbelhäuser und Werkzeugläden kämpfen ums Überleben, ebenso Buch- und Spielhandlungen, die ein Drittel ihres Angebots einstellen mussten.

Doch es ist nicht nur der Innenraum, der leert. Auch die typischen Straßenstände und Imbisse ziehen ab, was zu einer insgesamt ruhigeren Atmosphäre in den Städten führt. Dieser Trend steht im krassen Gegensatz zu den Gewinnen in anderen Bereichen, insbesondere im Tourismus und im Onlinehandel.

Die Zahlen lügen nicht: Während die Hotellerie um rund 19.000 Betriebe gewachsen ist und Gastronomiebetriebe um 35%, haben sich Feinkostläden, Eiscafés und Bäckereien um 14,4% vergrößert. Am stärksten profitiert jedoch der Bereich der Ferienwohnungen, insbesondere über Plattformen wie Airbnb, die um satte 184,4% zulegten. Besonders in den historischen Stadtkernen Süditaliens explodierte die Zahl der Pensionen fast vervierfacht (+290%), deutlich mehr als im Norden und Zentrum.

Onlinehandel und veränderte gewohnheiten

Onlinehandel und veränderte gewohnheiten

Die Gründe für diesen Wandel liegen auf der Hand: Veränderten Konsumgewohnheiten und der Aufstieg des Onlinehandels. Immer mehr Menschen bevorzugen es, online einzukaufen, was die traditionellen Geschäfte unter Druck setzt. Bis 2025 werden digitale Plattformen schätzungsweise 11,3% aller Waren und 18,4% aller Dienstleistungen ausmachen. Der Umsatz im Onlinehandel ist in diesem Zeitraum von 31,4 Milliarden Euro im Jahr 2019 auf 62,3 Milliarden Euro im Jahr 2025 explodiert.

Während der Gesamtumsatz im Einzelhandel zwischen 2015 und 2025 um 14,4% stieg, blieben die stationären Geschäfte in kleineren Städten weit hinter den Erwartungen zurück. Internetbasierte Transaktionen hingegen verdreifachten sich fast im Laufe von zehn Jahren.

Es gibt jedoch auch Lichtblicke: Apotheken verzeichneten einen Anstieg von 9,8%, da der Bedarf an Gesundheitsprodukten konstant bleibt. Auch Computer- und Telefonläden profitierten von der anhaltenden Nachfrage nach Technologieprodukten (+7,9%).

Ein wandel der wirtschaftsstruktur

Ein wandel der wirtschaftsstruktur

Seit 2012 ist ein deutlicher Wandel in der Eigentümerstruktur der Unternehmen zu beobachten: Unternehmen mit ausländischer Beteiligung sind um 134.000 gestiegen und beschäftigen rund 194.000 Mitarbeiter, wenn auch mit einer geringeren Mitarbeiterzahl pro Unternehmen (1,7 gegenüber 1,9). Im Gegensatz dazu sind 290.000 italienische Unternehmen verschwunden, jedoch haben die verbleibenden Betriebe ihre Größe auf durchschnittlich 3 Mitarbeiter pro Unternehmen erhöht. Die Tendenz geht klar in Richtung größerer, formaler Strukturen: Konzerne nehmen mehr Raum im Einzelhandel ein (von 9% auf 17%), ebenso Gastronomie und Hotellerie (von 14,2% auf 30,6%). Einzelunternehmer und Personengesellschaften verlieren hingegen an Bedeutung.

Die Entwicklung ist komplex und zeigt, dass die italienischen Städte sich grundlegend verändern. Während der Tourismus und der Onlinehandel wachsen, verlieren einige Stadtteile ihre traditionellen Geschäfte und damit ihre Seele. Es gilt, diese Entwicklung zu steuern und kleine Unternehmen zu unterstützen, um das lebendige Stadtbild zu bewahren. Die Zukunft der italienischen Innenstädte hängt davon ab, wie gut es gelingt, alten Traditionen neuen Bedürfnissen anzupassen – und das nicht nur im Sinne von Wachstum, sondern vor allem im Sinne eines lebendigen, lebenswerten Stadtbildes.