Toskana: kleine läden sterben – tourismus boomt!
Ein jähes Ende für viele kleine Geschäfte in Italien: Eine neue Studie zeigt, dass seit 2012 fast 156.000 Betriebe in den italienischen Städten dichtgemacht haben. Das ist mehr als ein Viertel des traditionellen Einzelhandels – und der Trend setzt sich bis 2025 ungebrochen fort. Die Folge: Immer mehr leere Schaufenster und ein schwindendes Gefühl von lokaler Vielfalt, besonders in Norditalien.
Der wandel des stadtbildes: tourismus gegen handel
Die Zahlen sind alarmierend: Experten warnen vor einer zunehmenden Aushöhlung der lokalen Handelsnetze. Während traditionelle Geschäfte schließen, verändern sich die Städte rasant. Besonders hart getroffen wurden Zeitungsstände, die seit 2012 um über die Hälfte geschrumpft sind. Auch Bekleidungsgeschäfte und Möbelhäuser mussten deutliche Einbußen hinnehmen. Die Kombination aus Online-Handel und dem Aufschwung des Tourismus hat die Rahmenbedingungen grundlegend verändert.
Die Tourismusbranche hingegen erlebt einen regelrechten Boom. Hotels verzeichneten seit 2012 einen Anstieg von rund 19.000 Betrieben, Restaurants um 35 Prozent und Spezialitätenläden um 14,4 Prozent. Besonders spektakulär ist der Zuwachs an Ferienwohnungen über Plattformen wie Airbnb: Hier stieg die Zahl um satte 184,4 Prozent. In den historischen Stadtkernen Süditaliens explodierte das Wachstum sogar noch weiter: Die Anzahl der Unterkünge vervierfachte sich fast (+290 Prozent).
Die Ursache liegt nicht allein im digitalen Wandel. Es sind veränderte Konsumgewohnheiten, die das Stadtbild prägen. Lange Aufenthalte weichen kürzeren, touristischen Besuchen. Das Essen im Restaurant wird zur neuen Norm, während traditionelle Geschäfte ums Überleben kämpfen. Ein Getränkelokal wird zum Restaurant, weil es die Zahlen vorgibt.

Online-handel dominiert: ein umbruch im einkaufverhalten
Der Online-Handel hat den Einzelhandel revolutioniert. Zwischen 2015 und 2025 stiegen die allgemeinen Einzelhandelsumsätze zwar um 14,4 Prozent, doch der stationäre Handel in kleineren Städten blieb weit hinter den Erwartungen zurück. Gleichzeitig explodierten die Internetumsätze um 187 Prozent, fast eine Verdreifachung innerhalb von zehn Jahren. Im Jahr 2019 lagen die Einnahmen von Online-Shops noch bei 31,4 Milliarden Euro, sechs Jahre später waren es bereits 62,3 Milliarden Euro. Experten schätzen, dass der Online-Handel im Jahr 2025 insgesamt rund 62 Milliarden Euro umsetzen wird.
Es gibt jedoch auch Lichtblicke: Apotheken verzeichneten einen Anstieg von 9,8 Prozent, da der Bedarf an Gesundheitsprodukten weiterhin konstant ist. Auch Computer- und Telefonläden konnten mit einem Plus von 7,9 Prozent punkten, getrieben durch das anhaltende Interesse an Technologie.
Ein weiterer Trend ist der Zuwachs an ausländischen Unternehmen (+134.000), die rund 194.000 Arbeitsplätze geschaffen haben, wenn auch mit weniger Mitarbeitern pro Unternehmen. Im Gegenzug schrumpfte die Zahl der rein italienischen Betriebe um 290.000, die jedoch ihre Größe ausbauten und durchschnittlich 3 Mitarbeiter beschäftigen.
Der Wandel hin zu größeren Strukturen ist unübersehbar. Unternehmen, Hotels und Restaurants gewannen zunehmend an Bedeutung, während Einzelunternehmer und Personengeschäfte an Boden verloren. Hinter diesen Veränderungen stehen verbesserte Managementpraktiken und eine höhere Produktivität, die es den Unternehmen ermöglichen, sich an die neuen Bedingungen anzupassen.
Die Studie zeigt deutlich: Italienische Städte stehen vor einer Zäsur. Die Verlagerung hin zum Tourismus und dem digitalen Handel verändert das Gesicht der Innenstädte. Während Hotels und Online-Handel wachsen, verschwinden vertraute Eckenläden – und damit auch ein Stück Lebensqualität. Es liegt an den Städten, diesen Wandel aktiv zu gestalten und kleine Händler zu unterstützen, um das soziale Gefüge zu erhalten. Sonst droht eine Entfremdung der Stadt.