Abenteuer mexikos: eine fahrt mit dem chepe express durch die schluchten
Es ist ein Luxus, dem man sich kaum entziehen kann: Eine Zugreise. Anders als im stickigen Flugzeug, wo man auf Karten starrt oder den neuesten Film schaut, lädt die Bahn zum Verweilen ein, zum Beobachten, zum Eintauchen. Und nirgendwo ist das so deutlich spürbar wie auf der Chepe Express Route, die von Creel an der Pazifikküste Mexikos durch die atemberaubende Tarahumara-Sierra gleitet.

Ein vergessener fleck erde voller wunder
Creel liegt im Bundesstaat Chihuahua, dem flächenmäßig größten Bundesstaat Mexikos, der fast so groß wie Großbritannien ist. Chihuahua ist Mexikos beste Geheimhaltung – eine Welt, die darauf wartet, entdeckt zu werden. Spektakuläre Canyons, tosende Flüsse, dichte Wälder und UNESCO-Welterbestätten antiker Ruinen prägen das Bild. Und inmitten dieser Wildnis, in dem verschlafenen, von Kiefern duftenden Bergstädtchen Creel, hoch oben auf 7.700 Fuß Seehöhe, schlägt das Herz der Rarámuri-Bevölkerung – den legendären Ultraläufern, die in alten Autoreifen-Sandalen unglaubliche Distanzen zurücklegen. Der Name Rarámuri bedeutet übrigens „die Füßigen“ – ein passender Name für ein Volk, das so eng mit seinem Land verbunden ist und dessen Traditionen und Handwerkskunst diese tiefe Verbundenheit widerspiegeln.
Ein Muss für jeden Besucher Creels ist die nahegelegene San Ignacio Mission, ein Ort unberührter Ruhe und spiritueller Erbauung. Oft wird dieser Besuch mit Ausflügen ins Tal der Mönche, zum Arareco-See und zu anderen Orten verbunden, die eng mit der Rarámuri-Kultur verwoben sind.
Und von Creel aus windet sich der Chepe Express – Mexikos einziger Luxus-Zug – hinab zur Pazifikküste, über rund 350 Kilometer Gleise. Um dieses einzigartige Erlebnis in vollen Zügen zu genießen, empfiehlt es sich, in der Ersten Klasse zu Reisen und den exklusiven Zugang zur Open-Air-Terrasse und dem Urike-Restaurant zu nutzen.
Etwa zwei Stunden Fahrtzeit später kommt der Zug in Divisadero an, wo jeder Fahrgast aussteigen muss. Und das sollte man unbedingt tun! Denn wer bis zum Rand der Plattform geht, erlebt einen Moment atemberaubender Ehrfurcht: Der Boden scheint einfach zu verschwinden. Drei gewaltige Canyons – Urique, Tararecua und der Haupt-Kupfercanyon – vereinen sich zu einem schwindelerregenden, zerklüfteten Abgrund, der angeblich viermal so groß ist wie der Grand Canyon.
Sobald die Pfeife des Zuges ertönt, steigen die Passagiere wieder ein – mit offenem Mund und unvergesslichen Eindrücken. Dann bietet sich die Gelegenheit, den Urike-Speisewagen mit seinen riesigen Glasscheiben zu erkunden. Es ist eine surreale Erfahrung, ein köstliches Essen zu genießen und einen überraschend guten mexikanischen Rotwein zu trinken, während eine steile, millionen Jahre alte Felswand nur wenige Zentimeter an der linken Schulter vorbeizieht.
Der Abstieg durch Chihuahua ist ebenso dramatisch, vielleicht noch intensiver, wenn man sich für Ingenieurskunst interessiert, denn der Zug rattert über hohe Brücken, taucht in tiefschwarze Tunnel ein und klammert sich förmlich an den Rand einer Klippe. In Cerocahui gibt es einen weiteren Höhepunkt der Reise: eine von Nonnen betriebene Mädchenschule, in der Rarámuri-Mädchen ihr Wissen erweitern. Auch Wanderungen zu Aussichtspunkten wie dem Cerro del Gallego, der einen beeindruckenden Blick auf den Urique-Canyon bietet, sind möglich. Hier spürt man die Nähe zum Landleben und der lokalen Gemeinschaft besonders intensiv.
Wenn der Zug in den Bundesstaat Sinaloa übergeht, dominiert eine dichte, feuchte, subtropische Vegetation die Landschaft, und die Temperatur im Wagen steigt merklich. Bis zum Erreichen von El Fuerte ist die alpine Kühle völlig verschwunden. Diese alte spanische Kolonialstadt besticht durch ihre historischen Gebäude und Steinbögen.
Der letzte Abschnitt der Chepe Express Route führt flach durch landwirtschaftliche Flächen nach Los Mochis in der Nähe des Mar de Cortés. Der Ausstieg am Küstenabschnitt steht in krassem Gegensatz zum Beginn der Reise. Es fühlt sich an, als hätte man in einem einzigen Nachmittag drei verschiedene Jahreszeiten erlebt. Das macht die Reise mit dem Zug – und insbesondere die Fahrt mit dem Chepe Express – zu einem so immersiven Erlebnis. Es ermöglicht, die immense Größe Mexikos zu erfassen und dies in aller Ruhe zu tun, ist Luxus pur. Und nicht zuletzt bietet die Strecke Verbindungen zu weiteren attraktiven Zielen entlang des Mar de Cortés und der Baja California Halbinsel.
Die Zugreise mit dem Chepe Express ist mehr als nur Transport – sie ist eine Entdeckungstour durch die Seele Mexikos.
