Petra: die stille der verlassenen rose

Inmitten der zerklüfteten jordanischen Landschaft erhebt sich Petra – nicht erbaut, sondern von längst vergangenen Händen in Stein gehauen, die den Fels wie im Morgengrauen erblühen lassen. Diese Stadt, älter als zwei Jahrtausende, erlangte ihren Ruhm als eines der sieben neuen Weltwunder. Doch der Winter 2026 brachte eine unerwartete Stille, wo einst das Echo von Schritten widerhallte.

Ein plötzlicher einbruch des tourismus

Die pulsierende Ader des Handels, das Lachen der Touristen, das Murmeln der Stämme – all das verstummte in den engen Gassen. Jordanien erlebt aktuell einen dramatischen Einbruch des Tourismus. Zahlen der Petra Development and Tourism Region Authority belegen einen rasanten Absturz: Von rund 1,17 Millionen Besuchern im Jahr 2023 sank die Zahl auf lediglich 457.000 im Jahr 2024 – mehr als sechs von zehn Touristen verschwanden innerhalb eines Jahres. Dieser Abwärtstrend setzte sich Anfang 2025 fort, als nur noch etwa 260.000 Besucher gezählt wurden, verglichen mit fast 693.000 im gleichen Zeitraum zwei Jahre zuvor. Selbst die monatlichen Besucherzahlen malten ein düsteres Bild: Im Juni 2024 wurden nur 16.207 ausländische Besucher gezählt, weit unter den 68.349 im Vorjahr.

Für die rund 38.000 Menschen, die in der Umgebung von Petra leben und größtenteils vom Tourismus abhängig sind, bedeutete dieser Rückgang ein abruptes Umfallen der Lebensgrundlage. In Wadi Musa, dem wichtigsten Eingangsbereich, mussten 28 Hotels ihre Pforten endgültig schließen, wodurch fast 2.000 Betten verloren gingen – mehr als die Hälfte der verfügbaren Hotelkapazitäten der Region. Die wenigen verbliebenen Hotels kämpfen ums Überleben, mit einer Auslastung von weniger als einem Tag pro Zwanzig.

Schattenkrieg und leere passagen

Schattenkrieg und leere passagen

Die Ursache für diese Entwicklung liegt nicht in Jordanien selbst, sondern in den Nachbarregionen. Die Eskalation der Gewalt im Gazastreifen im vergangenen Herbst warf einen langen Schatten auf die gesamte Region, obwohl Amman neutral blieb. Schlagzeilen über Konflikte und Krisen schüchterten Touristen ein, die ihre Reisepläne verschoben oder ganz abgesagt haben. Westliche Destinationen wie Spanien und Griechenland profitierten davon, während Jordanien einen Einbruch erlebte.

Die Situation verschärfte sich im Februar 2026, als die USA und Israel Angriffe auf den Iran durchführten. Jordanien musste daraufhin kurzzeitig seinen Luftraum sperren, was zu zahlreichen Flugausfällen und Schnellwarnungen von Regierungen führte. Diese Ereignisse verstärkten die bereits durch den Konflikt im Gazastreifen verursachten Verluste. Obwohl die Kämpfe nicht nach Jordanien gelangten, wuchs das Sicherheitsgefühl, und viele potenzielle Besucher blieben fern.

Ein hoffnungsschimmer und neue strategien

Ein hoffnungsschimmer und neue strategien

Die jordanische Regierung reagierte frühzeitig mit neuen Maßnahmen. Visazuständigkeiten wurden verlängert: Reisende erhalten nun ein Visum für drei Monate bei der Einreise, anstatt der vorherigen dreißig Tage. Die Online-Beantragung wurde vereinfacht, um den Prozess unkomplizierter zu gestalten. Reiseveranstalter erhalten Unterstützung, indem sie teilweise ihre Kosten erstattet bekommen, wenn sie Aufenthalte in Jordanien anbieten. Gleichzeitig werden verstärkt Werbekampagnen gestartet, die nicht nur die historischen Sehenswürdigkeiten, sondern auch die vielfältige Natur, die traditionelle Lebensweise und die heilenden Quellen hervorheben. Der Fokus verlagert sich von Geschichte zu Abenteuer, von Tradition zu Erholung.

Petra wartet geduldig

Petra wartet geduldig

Trotz dieser Bemühungen gestaltet sich die Rückkehr zum Normalzustand langsam. Das Gefühl der Unsicherheit in der Region lastet schwer auf den Reisenden, selbst wenn Jordanien selbst als relativ stabil gilt. Experten sind sich einig, dass die meisten Gebiete Jordaniens, wie Petra und Wadi Rum, nicht direkt von den Konflikten betroffen sind. Lediglich Grenzregionen zu Syrien und Irak sowie die Stadt Ma’an gelten als potenziell unsicher. Wer sich an die Sicherheitsrichtlinien hält – beispielsweise den Kontakt zur Botschaft in Amman und die Einhaltung von Check-ins bei der Polizei – kann dennoch einen Besuch in Jordanien in Erwägung ziehen. Hostels in Wadi Musa verlangen derzeit nur noch rund 20 Euro pro Nacht, während Luxushotels mit unvorstellbaren Preisen locken.

Im März 2026 steht Petra zwischen Stille und Bewegung. Die steinernen Gesichter bleiben unverändert, doch das Leben kehrt erst zurück, wenn das Vertrauen über Grenzen hinweg neu aufgebaut ist. Die